Auftakt am 10. April in Sögel Plattdeutsches Jahr im nördlichen Emsland

In den Dörfern im nördlichen Emsland war Platt über Jahrhunderte eine gelebte Sprache. Unser Foto zeigt einen Hochzeitszug mit „Hochtiedsnöger“ in Esterwegen. Foto: Heimatverein EsterwegenHochtied

 

Lathen. Früher sprach es fast jeder, heute kämpfen vor allem Heimatfreunde darum, dass sie im nördlichen Emsland erhalten bleibt: die plattdeutsche Sprache. Um dabei flächendeckend mitzuhelfen, hat der Heimatverein Aschendorf-Hümmling 2016 zum „Plattdeutschen Jahr“ erklärt.
Unter dem Motto „Use moije Platt“ hat der Dachverband für die 34 angeschlossenen Heimatvereine eine Reihe von Veranstaltungen komponiert, die von den Heimatvereinen auf die Beine gestellt werden. Los geht es am Sonntag, 10. April 2016, um 15 Uhr mit einer großen Auftaktveranstaltung in der Aula des Hümmling-Gymnasiums in Sögel.
Wie vielfältig die plattdeutsche Sprache ist, wird im Vorwort des Programmheftes zu der Veranstaltungsreihe deutlich. Allein für das hochdeutsche Wort Maulwurf gibt es auf Platt die Begriffe Unnerwapp, Froute, Hundefroute, Hundewapp oder Kruup in’t Lock.
Dem Vorsitzenden des Heimatvereins Aschendorf-Hümmling, Lathens Samtgemeindebürgermeister Karl-Heinz Weber, gefällt ein anderes plattdeutsches Wort aber noch viel besser: besträehn. „Das bedeutet rittlings und ist für mich eines der schönsten Wörter“, sagt Weber im Gespräch mit unserer Redaktion. Wie es korrekt geschrieben wird, ist für ihn zweitrangig.
Für Weber und Heimatvereins-Geschäftsführer Hans Albers kann der erfolgreiche Weg zum Erhalt des Plattdeutschen nur über gezielte Förderung in den Kindertagesstätten und Schulen gehen. Projekte und pädagogische Handreichungen gebe es beispielsweise auch dank des Emsländischen Heimatbundes zur Genüge. „Man muss sie nur umsetzen und einfach den Mut haben, Platt zu sprechen“, fordert Weber. „Nur so lernt man es auch.“
Über Jahrhunderte eine gelebte Sprache
In den Dörfern war Platt über Jahrhunderte eine gelebte Sprache. „Hochdeutsch war die Ausnahme“, sagt Weber. Diese Erfahrung habe im Übrigen auch sein Vater Helmut gemacht, der über Schlesien und Köln 1949 nach Lathen-Wahn kam. Er hätte anfangs nur Hochdeutsch gesprochen. „Zehn Jahre später war bei ihm sprachlich kein Unterschied zu den Einheimischen mehr auszumachen“, betont Weber.
(Weiterlesen: Bei Familie Többen in Hüven sprechen alle Plattdeutsch)
Als er und Albers in den 1950er Jahren Kinder waren, wurde in ihren Familien ausschließlich Platt gesprochen. Dann aber sei die Identifikation mit der Sprache schleichend verloren gegangen. „Als ich in die Schule kam, war Deutsch meine erste Fremdsprache“, erinnert sich Weber. Albers nickt zustimmend. Aus der Schule sei seinerzeit an die Eltern herangetragen worden, dass die Kinder, bei denen Zuhause nur Platt gesprochen würde, Probleme mit dem Hochdeutschen hätte, sagt er. „Heute weiß man, dass es eher von Vorteil ist, wenn Kinder zweisprachig aufwachsen“, skizziert Albers den Bewusstseinswandel.
Das Plattdeutsche profitiert davon auf breiter Ebene bislang nicht. In bestimmten Gruppen würde zwar nach wie vor Platt gesprochen, „viele Eltern und Erzieherinnen können es aber nicht mehr“, hat Weber festgestellt. Er selbst hingegen würde sogar in Plattdeutsch denken. „Und das ist es, was Muttersprache ausmacht.“
Ideengeberin Thekla Brinker
Die Idee für ein Plattdeutsches Jahr hatte Thekla Brinker. Die 72-Jährige aus Rastdorf und Ehrenvorsitzende des Dachverbandes war in der vergangenen Woche für ihr jahrzehntelanges Engagement um die Heimatarbeit und die besondere Pflege der plattdeutschen Sprache mit der selten verliehenen Heimatplakette des Heimatvereins Aschendorf-Hümmling ausgezeichnet worden. Die organisatorische Arbeit der Veranstaltungsreihe liegt zu größten Teilen in den Händen von Hans Albers.
Finanziell gefördert wird sie vom Emsländischen Heimatbund mit Mitteln des Landes Niedersachsen (4000 Euro). „Damit werden wir als Kreisheimatverein in die Lage versetzt, auch die verschiedenen Veranstaltungen der örtlichen Heimatvereine zu fördern und finanziell zu unterstützen“, erklärt Albers. Die VR-Stiftung der Volks- und Raiffeisenbanken fördert die Auftaktveranstaltung in Sögel mit 3150 Euro.
„Mit Kettensoage kegen Vergeten“
Auf dem Programm für die Auftaktveranstaltung zum Plattdeutschen Jahr am Sonntag, 10. April 2016, ab 15 Uhr in der Aula des Hümmling-Gymnasiums in Sögel stehen eine Reihe von Bühnenbeiträgen, die Titel wie „Mit de Kettensoage kegen dat Vergeten“, „Olde Rieme und Seggewöörde“ und „Dat geiht uk up Platt“ (Musical- und Operettenmelodien) tragen. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 5 Euro, Kinder bis 14 Jahren zahlen 2 Euro. Karten gibt es im Vorverkauf unter Telefon 05933/6641 bei der Samtgemeinde Lathen sowie per E-Mail an marion.martina@lathen.de . Mitwirkende: Theatergruppe der Landjugend Brual unter Mitarbeit des Rheder Heimatforschers Albert Vinke, Theatergruppe des Heimatvereins Lahn-Ostenwalde, Eester Speelkoppel, Plattdeutsch-AG der Oberschule Esterwegen unter Regie des Heimatvereins Esterwegen, Männerchor „Arion“ Werlte, Heimat-Ring Lorup/Plattdeutsch AG, Hendrik Wessendorf (Rastdorf), Annelen Book (Lorup), Ulli Nehe (Papenburg) sowie der Kirchenchor St. Vitus Lathen. Durch das Programm führt Hedwig Ahrens aus Sögel.

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