Heimatfreund Albert Vinke jetzt Ehrenbürger von Rhede (Ems)

Hohe Auszeichnung für unser Vorstandsmitglied
Rhede. Als der Brief aus dem Rheder Rathaus vor wenigen Tagen in sein Haus flatterte, musste sich Albert Vinke erst einmal setzen. Der Gemeinderat hatte einstimmig beschlossen, den Heimatforscher zum Ehrenbürger zu ernennen. Vinke fragte sich, ob er diese Auszeichnung tatsächlich verdient habe, erschien dann aber doch zur offiziellen Verleihung am Donnerstagabend vor rund 100 Gästen im Rahmen des Neujahrsempfangs der Gemeinde im Rathaus.
Den Stellenwert der Ehrenbürgerwürde in Rhede macht ein Blick auf die Liste ihrer bisherigen Träger deutlich. Denn sie ist ziemlich kurz. Vor Vinke wurde diese Auszeichnung lediglich Dechant Heinrich Lammen (1964), dem früheren Bürgermeister Rudolf Krange (1999) sowie dem ehemaligen Gemeindedirektor Siegfried Lammers (2012) zuteil.Albert Vinke
„Dir steht sie gut, und der Gemeinde steht sie gut zu Gesicht“, rief der emsländische Ehren-Landrat Hermann Bröring Vinke in seiner Laudatio zu und nannte ihn anerkennend eine „wandelnde Geschichtswerkstatt“. Bröring, wie Vinke gebürtiger Rheder, bescheinigte dem Heimatforscher einen ausgeprägten Gemeinschaftssinn und ihm und seiner ganzen Familie ein hohes Maß an gesellschaftlichem Bewusstsein. Mit der ebenso akribischen wie differenzierten Aufarbeitung der Geschichte Rhedes, die keineswegs von „platter Heimatliebe“ gekennzeichnet sei, habe Vinke nicht nur „unserer Heimatgemeinde einen Riesengefallen getan“, sondern einen nahezu unermesslichen Fundus für alle geschaffen, die sich mit der Geschichte des Ortes auseinandersetzen wollen. Dazu zählte Bröring ausdrücklich nicht nur die unter anderem in 14 Büchern veröffentlichten Arbeiten zur Heimatgeschichte, sondern auch das umfassende Archiv, das Vinke über Jahrzehnte aufgebaut habe.
Bröring machte keinen Hehl daraus, dass er bei seinen lobenden Worten zumindest teilweise auf sein Redemanuskript für seine Laudatio anlässlich der Verleihung des Niedersächsischen Verdienstordens im Juni 2011 an Vinke zurückgriff. Damals wie jetzt hob er viel beachtete Werke wie „Rhede in alten Ansichten“ (1999), „Leben und Werke von Bernd Heller“ (2007) sowie „Spuren eines vergangenen Jahrhunderts“ (2009) hervor. Letzteres umfasst eine eindrucksvolle Sammlung über die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege aus Rhede. Das Buch ist gespickt mit Postkarten, Fotos, Feldpostbriefen, Sterbeurkunden und Totenbildern. Angesichts der jüngsten Aufarbeitung der Geschehnisse zum Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren attestierte Bröring diesem Werk Vinkes „Vorbildcharakter“. Hinzu kamen Beiträge zur Pflege der plattdeutschen Sprache. Anlässlich der weitgehenden Zerstörung Rhedes gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, die sich im Frühjahr zum 70. Mal jährt, arbeitet Vinke aktuell an einem Buch, das am 17. April im Rahmen einer Gedenkveranstaltung in der Alten Rheder Kirche vorgestellt werden soll.
Überdies sei Vinkes Name eng mit dem Aufbau des Landwirtschaftsmuseums in den 90er-Jahren verbunden, betonte Bröring. Er erinnerte daran, wie schwer es seinerzeit gewesen sei, den Standort Rhede im dezentralen Museumskonzept des Landkreises durchzusetzen. Vinke ist zudem Mitbegründer und Ehrenvorsitzender des 1980 gegründeten Heimatvereins. Die wahre Bedeutung des Landwirtschaftsmuseums werde sich angesichts der agrarindustriellen Entwicklung im Übrigen erst in Zukunft so richtig entfalten, prophezeit Bröring.
Der neue Ehrenbürger reagierte dankbar und auch ein wenig gerührt. „Das ehrt mich gewaltig“, sagte Vinke. Sein größter Dank galt seiner Frau Magdalene. „Ohne sie wäre das alles gar nicht machbar“, betonte Vinke. Zudem hob er besonders die Unterstützung durch seine Tochter Manuela (als Lektorin) sowie die seines Bruders Hermann hervor. Der langjährige ARD-Korrespondent und Hörfunk-Programmdirektor bei Radio Bremen habe ihm nicht nur regelmäßig Ratschläge und Hinweise gegeben, sondern ihn auch stets zu neuer Arbeit ermuntert.