Mord an Heeder Bürgermeister noch ungesühnt

Das Gedenk-Kreuz mit dem Hof im Hintergrund. Zwischen Kreuz und Hof wurde der Mord begangen. Foto/Repro: Lambert

Das Gedenk-Kreuz mit dem Hof im Hintergrund. Zwischen Kreuz und Hof wurde der Mord begangen. Foto/Repro: Lambert

Heede. Er war ehrenamtlicher Bürgermeister seit 1926 und beliebt wegen seiner Hilfsbereitschaft und Korrektheit. Deutsche Soldaten haben Hermann Connemann 1945 kaltblütig ermordet, ein Racheakt von Nationalsozialisten scheint das Motiv gewesen zu sein. Die Täter sind bis heute nicht ermittelt. Die Gemeinde Heede erinnert mit der Bürgermeister-Connemann-Straße, einem Gedenkstein auf dem Friedhof und einer ausführlichen Ehrung auf ihrer Homepage an Connemann.

„Als Bauernsohn der Gemeinde Heede war er ein treuer Diener der Allgemeinheit“, schreibt Anton Busemann im Buch „Das Ende des Zweiten Weltkrieges“. Die schrecklichen Geschehnisse der Nacht vom 17. April auf den 18. April 1945 rekonstruiert er wie folgt: „Um 0.30 Uhr kam die Frau des Bürgermeisters Connemann vom Tode ihres Vaters von der elterlichen Wohnung heim. Da sich die Familie Connemann vor den Bomben der feindlichen Flugzeuge schützen wollte, schlief sie im Kartoffelkeller. Etwa eine Stunde später wurde heftig an die verschlossene Haustür gepocht. Daraufhin wurde geöffnet, und drei deutsche Soldaten mit Tarnjacken traten ins Haus.“

Man habe nicht erkennen können, ob es Offiziere oder einfache Soldaten waren, schildert Busemann. „Sie kamen unter dem Vorwand, dass der Ort Heede frei wäre von feindlichen Truppen und wieder von Deutschen besetzt würde. Als Bürgermeister müsse Connemann für Quartiere sorgen und sofort mitkommen. Der Nachbar Lambert Brand, welcher gleichzeitig auch dem Gemeinderat angehörte, war auch im Hause Connemann anwesend. Brand wurde vom Bürgermeister als Ratsmitglied aufgefordert, mit ihm zu gehen.

Die Soldaten nahmen den Bürgermeister in ihre Mitte und gingen durch die nahe gelegene Wiese von Connemann zur Straße Heede – Schuckenbrock. Der Nachbar Brand wurde unterwegs von den Soldaten abgewiesen mit den Worten: „Wir haben nur mit dem Bürgermeister zu tun!“ Bald darauf hörte der Nachbar Brand, der sich noch auf der Wiese aufhielt, einen Wortwechsel zwischen den Soldaten und dem Bürgermeister und kurz darauf zwei Schüsse fallen. Noch ehe der Tag anbrach, eilten de Nachbarn zur Wiese, um Nachschau zu halten. Sie fanden den Bürgermeister – von zwei Kugeln durchbohrt – tot in der Nähe der Straße liegen.

Am Freitagmorgen, dem 20. April, wurde der Bürgermeister Connemann von den Nachbarn und von den wenigen noch am Ort verbliebenen Einwohnern auf dem Friedhof in Heede beigesetzt. Zum Gedächtnis wurde seitens der Familie Connemann ein Denkmal gesetzt an der Stelle, wo er sein Leben opferte.“

In der Ems-Zeitung vom 11. April 1995 erinnern der Freie Mitarbeiter Lambert Brand, ein Enkel des oben erwähnten Connemann-Nachbarn und Redakteur Hermann-Josef Mammes an das Ende des Zweiten Weltkrieges und ordnen die Geschehnisse mit Hilfe von Zeitzeugen ein: Der Mord an Bürgermeister Connemann sei ein Vergeltungsakt für die Kapitulation in Heede gewesen. Die Gemeinde war am 17. April 1945 besetzt und einer polnischen Einheit übergeben worden. Die Heeder Bürger hatten weiße Fahnen gehisst, um den Besatzern zu zeigen, dass mit Widerstand nicht mehr zu rechnen sei. Damit sollte die Zerstörung des Ortes vermieden werden.

Die deutschen Truppen hatten sich zuvor in die Emsmarsch zurück gezogen und von dort aus weiterhin die Gemeinde beschossen. Zahlreiche Häuser gingen dabei in Flammen auf. Die Bevölkerung verließ größtenteils den Ortskern, um in tiefen Gräben und Feldscheunen Schutz vor den Angriffen zu suchen. Zeitzeugen berichten davon, dass Hermann Connemann die Gemeinde den alliierten Soldaten übergeben hat, um weiteren Schaden abzuwenden.

Nach der von Busemann beschriebenen nächtlichen Verhaftung hätten die Soldaten den Ratsherrn Brand heftig abgewehrt und sogar einen Warnschuss abgegeben, um ihn loszuwerden. Die dunkle und zudem noch stark neblige Nacht habe ihm die Sicht versperrt. Connemann starb im Alter von 51 Jahren. Am 20. April wurde Connemann zusammen mit seinem kurz zuvor verstorbenen Schwiegervater in aller Stille beigesetzt. Der Leichenzug musste weiträumig vorbei an den Straßensperren der Polen über Nebenwege zum Friedhof geführt werden.

In den Nachkriegsjahren haben Ermittlungen beim Papenburger Gericht stattgefunden, sie verliefen jedoch ohne Ergebnis. Die Gemeinde Heede sowie die Kirchengemeinde und der Heimatverein haben 1988 auf der Grabstätte Connemanns einen Gedenkstein errichtet.

Quellen: Archiv der Ems-Zeitung; Anton Busemann, Das Ende des Zweiten Weltkrieges (1939 – 1945) im Raume der Samtgemeinde Dörpen“.

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