Restaurierung der Hüvener Wind- & Wassermühle

Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege,
Dipl.-Ing. Wolfgang Neß

Nach umfangreicher Restaurierungstätigkeit in den vergangenen 2 Jahren konnte im Juni 2006 die Hüvener Wind- und Wassermühle wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Erhebliche Schäden an der Mühle, die insbesondere die Konstruktion betrafen, führten im Jahre 2002 zu einer Stilllegung. Im Anschluss daran begannen umfangreiche Untersuchungen, Planungen und die Instandsetzungsmaßnahme.

Der Lageplan zeigt die Kornmühle mit der gegenüberliegenden Öl- und Walkemühle und den Mühlenteichen um 1850

Der Lageplan zeigt die Kornmühle mit der gegenüberliegenden Öl- und Walkemühle und den Mühlenteichen um 1850

Aufgrund der Besonderheit der Mühle als eine der ganz wenigen bundesweit erbauten und europaweit erhaltenen kombinierten Wind- und Wassermühlen und der speziellen Problematik der Bauschäden soll im Folgenden die Geschichte der Mühle und die Restaurierungsmaßnahme dargestellt werden.

Erstmals in der Geschichte wurden bereits im Jahre 946 Mühlen an der Radde, einem kleinen Flüsschen im Emsland, benannt. Es ist zu vermuten, dass wohl auch wenig später in Hüven eine Wassermühle am heutigen Standort errichtet wurde, eine erste Erwähnung findet sich erst wieder 1534 in den Quellen.

Nachdem 1801 ein Feuer die damalige Mühle zerstörte, folgte unmittelbar darauf ein Wiederaufbau des jetzigen Wassermühlengebäudes. Eine Inschrift im Nordgiebel nennt als Baudatum den 21. Juni 1802 und als Erbauer die Eheleute Johann Gert Müller und Anna Burken sowie den Mühlenbaumeister Steffen Dierkes.

Das Wassermühlengebäude hat einen längsrechteckigen Grundriss mit den Abmessungen 10,00 m x 7,80 m und wurde in einer Fachwerkkonstruktion errichtet, die in Niedersachsen als äußerst ungewöhnlich anzusehen ist. Der Kernbau besteht aus einer Ankerbalkenkonstruktion mit eingehälsten Balken und darüber liegendem Rähm. Vermutlich dürfte seinerzeit auch eine Schwelle als Auflager vorhanden gewesen sein, die heute jedoch vollständig zerstört und nicht mehr erhalten ist. Die nur aus zwei Gebinden bestehende Ankerbalkenkonstruktion wird durch weitere Stützbalken mit nach innen versetzten Riegeln unterstützt und bildet die eigentliche Hauptkonstruktion des Gebäudes. Ungewöhnlich an dem Fachwerk ist jedoch das äußere Erscheinungsbild mit einem sehr engen „Ständergefüge“, das an normannische und englische Vorbilder erinnert. In Hüven ist jedoch diese enge Ständerstellung nur ein auf die Riegel geblattetes Bohlenwerk, das im Erscheinungsbild ein einheitliches Ständerwerk „vortäuscht“.

Das Ständerwerk ist ausgefacht mit Staken und Lehmbewurf und einem äußeren und inneren Lehmputz.

Im Zuge der Bauuntersuchung konnten durch eine dendrochronologische Untersuchung auch Zweifel ausgeräumt werden, ob das „Bohlenfachwerk“ eine nachträgliche Hinzufügung sei. Sämtliche Konstruktionsteile einschließlich der Bohlen stammen aus der Bauzeit des Gebäudes (1800/02).

In dem Mühlengebäude befindet sich nur ein großer Raum, der zur Wasserseite den Mahltisch mit Mahlgängen und Technik aufnimmt. Zwei Eingänge ermöglichen den Zugang zum Mühlenraum und auf den Mahltisch, der zusätzlich durch eine Innentreppe zu erreichen ist. Das Dachgeschoss ist offen, auch bedingt durch die später hinzugefügte Windmühle, und hat lediglich in einem Teilbereich über dem nordseitigen Eingang einen Lagerboden, der durch eine Fachwerkwand vom übrigen Mühlenraum abgetrennt ist. Ein Schopfwalmdach in Hohlpfannendeckung schließt das Gebäude ab.

Im Zuge der Neuerrichtung nach dem Brand wurde die bis dahin wohl nur mit einem Mahlgang betriebene Mühle durch einen weiteren Graupengang ergänzt.

Zeitgleich mit der Wassermühle, oder bereits mit dem Vorgängerbau bestehend, gab es auf der gegenüberliegenden Bachseite ein weiteres Mühlengebäude, in dem eine Öl- und Walkemühle in Betrieb war. Diese Mühle hatte ebenso wie die Kornmühle jeweils ein Wasserrad als Antrieb für die Mahltechnik. Ein Wehr an dem Brückenübergang östlich der Mühle steuerte für beide Mühlen den Wasserzulauf.

Aufgrund von Wasserproblemen in regenarmen Zeiten hatten bereits benachbart zur Hüvener Mühle gelegene Wassermüller in Börger und Bruneforth zusätzliche Windmühlen errichtet, um weiterhin arbeitsfähig zu sein. Der Hüvener Müller wollte jedoch seine Wassermühle in der bestehenden Form weiter betreiben und ließ sich vom Sohn des damaligen Mühlenbauers Dierkes eine ungewöhnliche und neuartige Lösung entwickeln: durch eine Aufstockung der bestehenden Wassermühle mit einer Windmühlenkonstruktion konnte mittels einer Kupplung bei Bedarf von Wasser- auf Windkraft umgeschaltet werden. Der Vorteil bestand naturgemäß darin, dass im gleichen Mühlengebäude relativ schnell zwischen beiden Naturkräften gewechselt werden konnte.

Seit Oktober 1851 war auch die Windmühle in Betrieb. Dabei wurde offensichtlich erneut ein weiterer Mahlgang eingebaut, sodass die Mühle jetzt mit zwei Mahlgängen und dem Graupengang arbeiten konnte.

Der Schnitt einer Bauaufnahme von 1931 verdeutlicht die komplizierte Konstruktion der Windmühle in Verbindung mit dem Wassermühlengebäude.

Der Schnitt einer Bauaufnahme von 1931 verdeutlicht die komplizierte Konstruktion der Windmühle in Verbindung mit dem Wassermühlengebäude.

Der Windmühlenaufbau ist in dieser Form als absolut einmalig zu bezeichnen, da er entgegen jeglichen Mühlenkonstruktionen eine äußerst ungewöhnliche Grundkonstruktion erhielt. Ausschlaggebend war natürlich das vorhandene Wassermühlengebäude, dessen Konstruktion in Teilbereichen mit zur Auflagerung der Windmühlenständer diente, die das Dach der Wassermühle durchstoßen. Weitere Ständer der Windmühle sind um die Wassermühle herum verteilt und haben jeweils Feldsteine als Einzelfundamente. Auch im Inneren musste naturgemäß bei der Windmühlenkonstruktion darauf geachtet werden, dass insbesondere das Ständerwerk nicht in Kollision mit den Funktionen der bestehenden Wassermühle geriet. Die Zeichnungen des Bauaufmaßes von 1931 belegen die ungewöhnliche Gesamtkonstruktion beider Gebäudeteile.

Die Grundrisse der Wassermühle mit Antriebsebene (oben) und Mahlbühnenebene (unten) zeigen die Situation nach 1850 (Aufmaß vor 1931).

Die Grundrisse der Wassermühle mit Antriebsebene (oben) und Mahlbühnenebene (unten) zeigen die Situation nach 1850 (Aufmaß vor 1931).

Ansonsten handelt es sich bei der Windmühle vom Typus her um einen Galerieholländer, dessen Stapel (in diesem Falle kein Achtkant, da über sechseckigem Grundriss errichtet) sich über der Galerie erhebt, die oberhalb des Dachfirstes des Wassermühlengebäudes angelegt ist. Die Holzkonstruktion der Windmühle ist außen mit einer Holzschindelabdeckung versehen. Die bewegliche Kappe, die auf einem Gleitring liegt wird mittels eines Steertes in den Wind gedreht und besitzt Segelgatterflügel. Ebenso wie der Stapel des Mühlengebäudes ist auch die Kappe mit Holzschindeln belegt.

Die Windantriebstechnik ist vergleichbar zu den normalen Windmühlen: durch die Flügel wird die in der Kappe liegende Flügelwelle gedreht, die wiederum mittels Kammradverbindung die im Kern der Mühle senkrecht stehende sog. „Königswelle“ in Drehbewegung versetzt. An die Königswelle angekoppelt sind die jeweiligen Mahlgänge mittels Korbrädern.

Eine Kupplung zwischen dem Wassermühlenantrieb und dem Windmühlenantrieb stellt die jeweilige Verbindung zu den Hauptantriebsachsen (Königswelle bzw. Wasserradwelle) her.

1890 übernahm der Müller Lukas Riedemann die Mühle, dessen Sohn sie schließlich bis zum Zusammenbruch des Wehres im Jahre 1950 in Betrieb hielt.

Die Öl- und Walkemühle scheint bereits in den 20er Jahren nicht mehr in Funktion gewesen zu sein, ist jedoch bei der Erstellung des Aufmaßes im Jahre 1931 noch auf dem Lageplan eingezeichnet. Unklar ist der genaue Zeitpunkt des endgültigen Abbruchs und des Verschwindens dieses zweiten Wassermühle (verm. Anfang der 30er Jahre).

Bereits 1950 nach Stilllegung der Mühle und mehrmals danach hatten sich der emsländische Heimatbund und interessierte Heimatfreunde für die Rettung und den Erhalt dieser außergewöhnlichen Mühle eingesetzt. Spenden wurden gesammelt und 1954 begannen die ersten Sicherungsmaßnahmen, bei denen u.a. ein Betonfundamt vor dem Südgiebel zum Mühlengraben gegossen wurde. Bereits zu dieser Zeit war erkennbar, dass sich das Mühlengebäude Richtung Bach bewegte und hier erheblich gesenkt hatte. Das Fundament sollte dieses „Abdriften“ offensichtlich stabilisieren. Weiterhin wurde das Fachwerk des alten Wassermühlengebäudes einschließlich der Lehmausfachung saniert, die Windmühle in ihrer Konstruktion stabilisiert und im Äußeren instand gesetzt. Die Mühlentechnik wurde vom bekannten ostfriesischen Mühlenbauer Mönk restauriert, sodass schließlich im September 1957 die Mühle wieder in Betrieb genommen werden konnte und für die Öffentlichkeit zugänglich war.

Bauaufnahme und Schadensuntersuchung
Bauaufnahme 2002, Grundriss der Mühle mit Darstellung der unterschiedlichen Bauzeiten (1801, 1850,1957, bis 2002)

Bauaufnahme 2002, Grundriss der Mühle mit Darstellung der unterschiedlichen Bauzeiten (1801, 1850,1957, bis 2002)

Nachdem die Mühle fast 50 Jahre interessierte Bürger, Touristen und Schulklassen Einblicke in die ungewöhnliche historische Technik gewährt hat und auch immer wieder Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt wurden, zeigte sich, als im Jahre 2002 neue Flügel angebracht werden sollten, bei einer genauen Untersuchung der Bausubstanz, dass doch erhebliche Schäden, u.a. auch konstruktive Mängel vorhanden waren, die einen weiteren Betrieb und Besucherzugang zur Mühle nicht mehr möglich machten.

Bauaufnahme 2002, Querschnitt der Mühle mit Darstellung der unterschiedlichen Bauzeiten (1801, 1850,1957, bis 2002)

Bauaufnahme 2002, Querschnitt der Mühle mit Darstellung der unterschiedlichen Bauzeiten (1801, 1850,1957, bis 2002)

Der Heimatverein Aschendorf/Hümmling als Eigentümer, der Landkreis Emsland und das Landesamt für Denkmalpflege beschlossen daraufhin eine umfassende Restaurierung durchzuführen, um dieses außergewöhnliche technische Denkmal wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Eine sehr intensive Schadensuntersuchung, verbunden mit einem neuen detaillierten verformungsgerechten Aufmaß durch einen qualifizierten Mühlenbauer und Holzrestaurator stand am Anfang der im Jahre 2004 beginnenden Baumaßnahme. Als wesentliche Schäden waren durch die Untersuchung festzustellen:

  • Das gesamte Gebäude hatte sich zur Wasserseite verschoben und gesenkt. Der Nordgiebel kippt nach Süden (25 cm aus dem Lot!). Ursache dürfte vermutlich die erheblich höhere Belastung nach Aufbau der Windmühle gewesen sein (ca. 30t), die von den alten Feldsteinfundamenten der Wassermühle nicht mehr aufgenommen werden konnte.
  • An der Ostseite existierte über die Gesamtlänge von ca. 10 m ein Gefälle von ca. 40 cm nach Süden. Auch das 1957 eingebaute Betonfundament ist mit dem Gebäude nach Süden „gewandert“, hat also „das Versacken“ der Mühle nicht verhindern können (s.o.).
  • Die Ankerbalkenkonstruktion des Wassermühlengebäudes (s.o.) konnte seine Funktion nicht mehr erfüllen, da beide Gebinde nicht mehr intakt waren (zerstörte Ankerbalkenköpfe auf der Ostseite, abgesägte Köpfe von der Sanierung 1957 auf der Westseite). Hilfskonstruktionen aus Eisenklammern zur Lastübertragung allein über die Kopfbänder erfüllten nicht die Ankerfunktion um das Gebäude „zusammen zu halten“).
  • Die Hauptständer der Wassermühle waren unten z.T. bis auf 1 m Höhe durch Fäulnis zerstört. Schwellen waren nicht mehr vorhanden, die Ständer ruhten unmittelbar auf dem Feldsteinfundament. Die Hauptständer der Windmühle zeigten identische Schäden.
  • Eindringen von Wasser in die Wände und den Lehmboden der Mühle durch Geländegefälle zum Gebäude (Ostseite) und gekippte Giebelwand (Norden) mit einer Holzfeuchte in diesem Bereich von bis zu 45 %.
  • Schädlingsbefall unterschiedlichster Art an diversen tragenden Holzteilen.
  • Mahlbühne stark geschädigt und abgesackt, dadurch keine kraftschlüssigen Verbindung innerhalb der Mühlentechnik.
  • Wasserrad mit falscher Konstruktion, unrundem Lauf und schlechter Lagerung innen und außen.
  • Schützenwehr und Gerenne erneuerungsbedürftig.
  • Mühlengalerie desolat und auf falscher Höhe.
  • Antriebstechnik der Windmühle in Teilen zu erneuern (Zahnräder, Bremse u.a.).
  • Kappe mit zerstörten Fughölzern (Hauptbalken).
  • Steert abgängig.
  • Flügel abgängig.
  • Dachdeckung der Wassermühle (Hohlpfannen) und Holzschindeldeckung des Windmühlenstapels und der Kappe reparatur- bzw. erneuerungsbedürftig.
  • Weitere Mängel an verschiedenen Details und im Außenbereich (Pflaster, Brücke, Wasserlauf).
Die Zeichnung des Statikers zeigt die Lage der Bohrpfähle und die Verbindungen durch Beton-Ankerbalken.

Die Zeichnung des Statikers zeigt die Lage der Bohrpfähle und die Verbindungen durch Beton-Ankerbalken.

Die nach der Bestandsaufnahme erfolgten Kostenschätzungen, bei denen zunächst von einem vollständigen bzw. teilweisen Abbau der Mühle ausgegangen wurde, lagen seinerzeit zwischen 600.000 Euro und 800.000 Euro.

In Verbindung mit der Bauuntersuchung erfolgte auch eine dendrochronologische Analyse, die letztlich die bekannten Daten bestätigen konnte:

  • Außenwände und Konstruktion des Wassermühlengebäudes einschließlich der Mahlbühne von 1801 und
  • Hauptständer und Konstruktion der Windmühle von 1850.
Durchführung der Baumaßnahme

Vor Beginn der konstruktiven Baumaßnahme wurde zunächst der Schädlingsbefall durch eine Wärmebehandlung bekämpft (Einhausung der Mühle und Aufheizung bis zur erforderlichen Temperatur für die Schädlingsbekämpfung).

Der zunächst vom Mühlenbauer vorgeschlagene Abbau der Mühle, um eine sichere Fundamentierung herstellen zu können, wurde nach Diskussion und denkmalpflegerischen Bedenken verworfen zugunsten einer Instandsetzung unter Beibehaltung der Mühle im bestehenden Zustand.

Um das Problem der „Wanderung“ der Mühle zu lösen, wurde vom beteiligten Statiker eine Neufundamentierung mit Bohrpfählen vorgeschlagen, die speziell im Bereich der Hauptstützen der Windmühle niedergebracht werden sollten. Jeweils zwei Pfähle, die am Kopf durch Betonanker zu verbinden waren, wurden neben die Stützenfundamente bis zum tragfähigen Grund (z.T. bis zu 15 m Tiefe) gesetzt, die Fundamente dann auf die verbindenden Betonanker gebracht, sodass die Lasten der Windmühle neu aufgenommen und abgetragen werden konnten.

Zudem wurde im Mühlengraben eine u-förmige Betonwanne vorgesehen, die eine Verschiebung der Wassermühle Richtung Bach mit verhindern sollte. Sämtliche Betonteile wurden so eingebaut, dass sie nach der Sanierung nicht mehr sichtbar sind (Bohrpfähle unter dem Bodenniveau, Betonwanne mit späterer Verblendung durch Feldsteine und Holz im Gerenne).

Neu errichtete Galerie in Eichenholz und Verkleidung des Windmühlenstapels und der Kappe mit gespaltenen Eichenschindeln.

Neu errichtete Galerie in Eichenholz und Verkleidung des Windmühlenstapels und der Kappe mit gespaltenen Eichenschindeln.

Die Zimmermannsarbeiten sollten wo möglich die historischen Hölzer erhalten und durch Ergänzungen die schadhaften Stellen ausbessern. Nur in Einzelfällen war ein kompletter Austausch der Ständer oder Balken vorgesehen. Insgesamt war auch nur eine leichte Korrektur der Schieflage des Gebäudes vorgesehen, um keine weiteren Holzarbeiten erforderlich zu machen. Letztlich konnte dieses Restaurierungskonzept auch durchgehalten werden.

Trotz der enormen Schieflage des Wassermühlengebäudes, war die Windmühle nur leicht aus dem Lot, sodass im Zuge der Reparatur der Hauptständer ein Ausrichten erfolgen konnte. (Für die Windmühle ist die horizontale Lage des sog. „Tafelments“, auf dem die Kappe dreht, von besonderer Bedeutung).

Zur weiteren Stabilisierung wurden an zwei Stellen im Inneren der Mühle in den Wandfeldern sichtbare Andreaskreuze neu hinzugefügt, die sich heute als neue „Zutaten“ zu erkennen geben.

Die alte Ausfachung mit Lehmstakung konnte durch die vielfältig erforderlichen Holzarbeiten leider nicht erhalten werden. Die Neuausfachung erfolgte jedoch in gleicher handwerklicher Ausführung.

Neu erbautes Wehr mit Mühlrad, Lagerbock und Bedienstegen.

Neu erbautes Wehr mit Mühlrad, Lagerbock und Bedienstegen.

Auch die bei der Sanierung 1957 eingebrachte Ausfachung im Südgiebel wurde als Dokument dieser Bauphase erhalten. Ein Rückbau sollte aus denkmalpflegerischen Gründen nicht erfolgen (ursprünglich war die Giebelwand im Dachgeschoss mit Ziegeln ausgefacht, während der untere Bereich ohne Ausfachung, nur mit einer äußeren Verbretterung versehen war).

Die abgängige Galerie wurde komplett neu errichtet und bekam jetzt auch ihre historisch korrekte Höhenlage wieder zurück, die bei der letzten Sanierung verändert worden war.

An der Mühlenkappe wurden die Fughölzer und der Steert erneuert, der Rest konnte wieder verwendet werden. Kappe und auch der Mühlenstapel erhielten einen neuen Behang aus gespalteten Eichenschindeln.

Das Dach des Wassermühlengebäudes wurde abgedeckt, die Hohlpfannen gelagert und mit Strohdocken wieder neu verlegt. Nur wenige Pfannen mussten durch zusätzliche, ebenfalls gebrauchte Stücke ersetzt werden.

Hüvener Mühle nach der Restaurierung im neu hergerichteten Umfeld des Mühlenkolks.

Hüvener Mühle nach der Restaurierung im neu hergerichteten Umfeld des Mühlenkolks.

An der Mühlentechnik wurden durch einen Mühlenbauer die schadhaften Elemente erneuert bzw. repariert. Das Wehr mit Kropfgerenne und das Wasserrad mussten neu gebaut werden.

Weitgehend war es jedoch möglich, die vorhandene Technik zu erhalten und neu einzurichten.

Den Mahltisch der Wassermühle restaurierte der Zimmermann unter Verwendung der noch brauchbaren Hölzer und Ergänzung durch Neuteile. Somit konnten auch die erforderliche Höhenlage für die Mahlgänge und die Anschlüsse an die Antriebstechnik wieder hergestellt werden.

Schließlich wurde der Außenbereich der Mühle „bereinigt“, indem das alte Kopfsteinpflaster der Straße und des Mühlenumfeldes wieder freigelegt wurde. Zur Vermeidung der Wasserschäden an der Mühle (s.o.) wurde eine Drainage verlegt und Ablaufrinnen mit Gefälle zum Bachlauf gepflastert.

Zur besseren Windausnutzung wurden einige Bäume beseitigt, um eine freiere Angriffsfläche auf die Flügel herzustellen.

Bei den ersten Probeläufen des Wasserrades hat sich gezeigt, dass wohl auch der Mühlgraben ein stärkeres Gefälle erhalten muss, um eine schnellere und bessere Wasserableitung zu ermöglichen. Der Rückstau des Wassers behindert einen gleichmäßigen Lauf des Rades, das im Wasser „gebremst“ wird.

Fertigstellung

Im Juni 2006 konnte schließlich im Rahmen einer Feier die Wiederinbetriebnahme der Mühle erfolgen. Unter reger Teilnahme der Bevölkerung, der am Bau beteiligten Planer und Handwerker sowie mit vielen Ehrengästen wurde damit eines der interessantesten technischen Baudenkmale Niedersachsens und eine der bedeutendsten Mühlen in Niedersachsen wieder der Öffentlichkeit übergeben.

Allen Beteiligten, insbesondere auch den vielen Institutionen, die sich finanziell sehr stark engagiert haben, um die Hüvener Mühle zu retten, soll auch hier noch einmal besonders gedankt werden.

Zu erwähnen ist die Tatsache, dass einige Mitglieder des Heimatvereins sich der Mühe unterzogen haben, an einem Müllerkursus für freiwillige Müller teilzunehmen, um eine fachgerechte Betreuung dieser ungewöhnlichen Mühle zu gewährleisten und damit auch zu einer langfristigen Erhaltung des Baudenkmals beizutragen, denn: Der Betrieb einer Mühle, bei der sich ja nicht nur um ein Gebäude, sondern auch um eine Maschine handelt, ist die beste Voraussetzung für eine dauerhafte Bestandsicherung!