Neuer „Direktor“ – Frischer Wind im Wippinger Heimatmuseum

Wippingen. Seinen Namen hat Bernd Kuper in Wippingen weg. Er ist der „Museumsdirektor“. Seit fast 20 Jahren schlummern im alten Schulgebäude über der ehemaligen Lehrerwohnung Schätze aus der Ortsgeschichte. Nun will der 75-Jährige dem Museum des Heimatvereins neuen Schwung geben.
„Vor eineinhalb Jahren wurde auf der Generalversammlung gefragt, ob sich jemand um das Museum kümmern will“, berichtet Kuper. Bis dahin sei die Einrichtung im Gemeindezentrum vernachlässigt worden. „Ich habe einen Hang zu alten Sachen“, sagt der Rentner. Daher habe er sich gemeldet, als der Verein einen Museumswart suchte. Nach einem Jahr „Probezeit“ ist er nun als gewähltes Vorstandsmitglied offiziell im Amt.
Kuper ist Herr über rund 250 Exponate. Von einer alten Miele-Waschmaschine im Holzfass bis hin zu Besteck, Geschirr und Büchern. Wo die Exponate herkommen? „Das will ich nun herausfinden“, sagt der Wippinger.
Bei anderen Ausstellungsstücken ist der Ursprung eindeutig: Im hinteren Teil des Raumes stehen alte Schulbänke und ein Podest für den Lehrer. Die stammen aus der Wippinger Schule. In Wippingen waren die Klassen für die älteren und jüngeren Schüler getrennt. Kuper kennt die Möbel gut. „Ich habe hier selbst drauf gesessen.“
Neben Büchern, einer Flasche Tintenkonzentrat im Pult ist auch ein alter Stundenplan erhalten geblieben. Kuper schätzt, dass er aus den 50er-Jahren kommt. Der dort angegebene „Klassenlehrer Friebe“ habe ihn auch unterrichtet. Demnach war Unterricht für die Klasse III an jedem Tag von 8 bis 12.30 Uhr sowie samstags bis 10.40 Uhr. Neben Naturlehre, Raumlehre (heute Geometrie), Rechnen und Geschichte stand auch die Muttersprache auf dem Plan. „Wir haben bis zur Einschulung nur Platt gesprochen“, erklärt der Museumsdirektor. Daher wurde Hochdeutsch in der Schule unterrichtet.
Direkt neben der Schuleinrichtung steht ein altes Bett mit Bettwärmer; Nachthemd und Bettgeschirr. Das sei aber kein Überbleibsel aus der Lehrerwohnung. Die Herkunft des Schlafzimmers will Kuper klären.
Eindeutig ist hingegen die Herkunft einiger Metallteile – auch wenn sie selbst nur schwer zu identifizieren sind. Sie stammen von einem britischen Jagdbomber aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Flugzeug wurde in der Nacht zum 28. September 1943 über Lathen-Rupennest abgeschossen, stürzte in Wippingen ab und ging auf einem Feld in Flammen auf. Alle sieben Besatzungsmitglieder starben. „Der Landwirt findet heute beim Pflügen immer noch Blechteile“, berichtet Kuper. Die wandern dann ins Museum.
Ausstellungsstück ist auch die Konsole, die die Flugzeugteile beherbergt. „Die stammt aus dem Kolonialwarenladen Westhoff“, sagt Kuper. Das Traditionsgeschäft gibt es nicht mehr. An den Laden kann sich der Museumsdirektor noch gut erinnern. Da sei er als Kind immer mit einem Einkaufszettel hingeschickt worden. In der Konsole seien Stoffe ausgestellt gewesen.
Auch von weiteren Wippinger Geschäften zieren Erinnerungsstücke das Museum, darunter eine Nähmaschine von Schneidermeister Hermann Gerdes. Ein Schuhlöffel erinnert indessen an den Schuster Wilhelm Finn.
Besichtigungen können mit dem Heimatverein bei Heinz Schulte, Telefon 04966/480 verabredet werden.